Mehr Firmenübernahmen im vergangenen Jahr

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Das Jahr 2014 war ein starkes Übernahmejahr. Die Mehrheit an deutschen Unternehmen ging über 1600 Mal in andere Hände über und dabei war mindestens ein deutscher Partner beteiligt. Im Vergleich zum Vorjahr war das eine Steigerung der Transaktionen von über 22 Prozent. Die Transaktionssumme belief sich auf 237 Milliarden Euro. Das waren 100 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. Mit der Anzahl und dem Volumen liegt das vergangene Jahr weit über dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre.

Der geschäftsführende Gesellschafter Alex Gollnick, der auf Übernahmen spezialisierten Beratungsgesellschaft Angermann M & A International, Hamburg und Kronberg, sieht am Markt zwei wesentliche Preistreiber:

• das niedrige Zinsniveau, das eine günstige Refinanzierung ermöglicht. Die Kehrseite des Zinses sind die gezahlten Vielfachen (Multiples) auf den Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebdita). Wenn es um große, grenzüberschreitende Übernahmen geht, werden meistens zweistellige Multiples aufgerufen. Das acht- bis neunfache des Ebdita wird bei kleineren Übernahmen bezahlt.

• Die Synergien die mit der Übernahme erhoben werden sind der zweite Grund. Das sind immer noch Kostenvorteile, allerdings seltener als früher. Auf der Kostenseite ist viel ausgereizt, so dass es auch Private-Equity-Fonds beim Kauf von neuen Unternehmen schwer haben. Diese Fonds suchen vor allem Immobilien, um diese zu übernehmen, effizienter zu strukturieren und dann mit Gewinn zu verkaufen. Aktuelle Übernahmen werden meistens mit den Vorteilen auf der Vertriebsseite begründet.

Es wurden selten so viele Übernahmen damit gerechtfertigt, mit dem Kauf eines Unternehmens am Markt eine führende Stellung ausbauen oder erlangen zu wollen. Bayer, der deutsche Chemie- und Pharmakonzern wird weltweit zum zweitgrößten Hersteller von rezeptfreien Medikamenten, weil er die Consumersparte der amerikanischen Merk & Co. übernimmt. Zu einem der drei größten Automobilzulieferer weltweit wird das deutsche Unternehmen ZF Friedrichshafen mit der Übernahme der amerikanischen TRW. Fresenius kauf das Rhön-Klinikum mit 43 Krankenhäusern und wird dadurch zu einem der größten privaten Klinikbetreiber in Europa. Nach der Übernahme vom Containergeschäft der chilenischen Compañia Sud Americana de Vapores wird Hapag-Lloyd zur viertgrößten Containerreederei der Welt. Viele deutsche Firmen haben ihre globale Stellung mit solchen Transaktionen verbessert, indem sie im Ausland zugekauft haben.

Amerika – beliebtes Kaufziel

Die Vereinigten Staaten waren ein sehr beliebtes Kaufziel. Genau wie in den vergangenen Jahren lag der Anteil Amerikas als Zielland bei nahezu 20 Prozent. Darunter waren zahlreiche Großübernahmen von mehreren Milliarden Euro. Vom Volumen her ist der Anteil der deutschen Investitionen in den Vereinigten Staaten stark angestiegen. Es wird geschätzt, dass deutsche Unternehmen 70 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten investiert haben. Neben einer jungen Bevölkerung und stabilen politischen Verhältnissen hat das Land eine preiswerte Energie. In Amerika denken sogar Chemieunternehmen nicht daran eine neue Anlage an eine alte anzubauen weil die Fixkosten zu hoch sind, sondern bauen auf der grünen Wiese. Investitionen in Amerika wurden auch durch das Währungsverhältnis erleichtert. Deutsche Unternehmen investieren auch mehr in Asien, während sie um Afrika einen hohen Bogen machen, obwohl es dort viele Übernahmen aus anderen Ländern gibt.

Übernahmen im InlandMehr Firmenübernahmen im vergangenen Jahr 2

Im Inland wechseln aber auch viele Unternehmen ihre Eigner. Darunter sind bekannte Namen wie die Mitteldeutschen Fahrradwerke, die Telekommunikationsgesellschaft E-Plus, der Kindernahrungshersteller Alete und der Warenhauskonzern Arcandor. Letzterer wurde zu einem symbolischen Preis von einem Euro an den österreichischen Unternehmer René Benko übernommen und wird derzeit umstrukturiert. Marktbeobachter erwarten auch für 2015 weitere Großübernahmen. Es wurden schon einige Unternehmenskäufe bekanntgegeben, diese sind aber noch nicht abgeschlossen. Dazu gehört der Kauf vom amerikanischen Laborausrüster Sigma-Aldrich durch die Merck KGaA. Die Familie Reimann wird in Zukunft auch Jacobs Kaffee verkaufen, denn sie fügt ihrem Kaffeeimperium die amerikanische Mondolez-International Coffee-Sparte hinzu.

Siemens kauft und verkauft

Siemens hat als Käufer und Verkäufer gleich mehrere Eisen im Feuer. So plant der Konzern die Übernahme der börsennotierten Dresser-Rand-Group aus Amerika. Für den Hersteller von Kompressoren und Turbinen will Siemens fast 6 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Auf der anderen Seite plant der Konzern den Verkauf der Sparten Hörgeräte, Sicherheit und Krankenhausinformationssysteme. Die Immobilienübernahme von Gagfah durch die Deutsche Annington ist auch noch nicht vollzogen und ob die Supermärkte Kaiser’s von Tengelmann ohne Auflagen zum geplanten Termin Mitte des Jahres in den Besitz von Edeka übergehen ist noch nicht klar.

Bildquelle 1:© Rainer Sturm / pixelio.de
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