Die Schweiz, ein wenig attraktives Steuerparadies

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Als Steuerparadies wird die Schweiz immer unattraktiver. Dafür sorgen die verschärfte Gesetzgebung, der Druck aus dem Ausland sowie die Informanten, die Daten zu Geld machen. In der Alpenrepublik wird es ungemütlich, aber es gibt Alternativen. Steueroasen gibt es genug. Überraschend ist, dass Deutschland im Financial Secrecy Index der Nicht-Regierungsorganisation Tax Justice Network den 8. Platz einnimmt. Die Bahamas schaffen es nur auf Platz 35 und Monaco auf Platz 75. Der Grund sind nicht die niedrigen Steuersätze, sondern die deutschen Behörden, die selbst gerne die Steuerdaten anderer Länder kaufen, selbst aber nicht an alle ausländischen Behörden Steuerdaten weitergeben. Ein weiterer Grund ist die schiere Größe vom Finanzplatz Frankfurt.
Die Unternehmensberatung Bradley Hackford aus Großbritannien sieht sich selbst als Spezialist für die Veränderung der Steuerheimat. Diese Dienstleistung wird Relocation genannt. Die Dienstleister haben 2014 eine Rangliste der Länder erstellt, die am wenigsten besteuert werden. Dabei wurde neben der Höhe der Steuern, der Qualität der wirtschaftlichen Anreize auch die Rechtssicherheit vor Ort sowie Lage und Lebensqualität des jeweiligen Landes berücksichtigt.

Rangliste von Bradley Hackford:

• Bahamas – 95%
• Andorra – 90%
• Monaco – 90%
• Bulgarien – 80%
• Panama – 75%
• Mautitius – 70%
• Dubai – 70%
• Guernsey – 65%
• Cayman Inseln – 60%
• Schweiz – 55%

Bahamas – das tropische Steuerparadies

Die Bahamas sind der bevorzugte Zielort, was vor allem daran liegt, dass dort kaum Steuern zu zahlen sind, weil sich der Staat durch Exportabgaben und Zölle finanziert. In dem Staat stört der Platz auf der grauen Liste der OECD anscheinend nicht. Steuerhinterziehung ist in dem Staat, in dem auf eine Bank 750 Einwohner kommen, kein Problem. Solange nicht gegen die Gesetze verstoßen wird, kann der Oberste Gerichtshof das strenge Bankgeheimnis nicht aufheben. Ab einem Immobilienerwerb für 500.000 Dollar gibt es auf den Bahamas eine Aufenthaltsgenehmigung, wer 1,5 Mio. Dollar investiert erhält diese schneller.

Steueroasen in Europa

Aber warum in die Ferne schweifen, wo Europa doch auch gang nette Plätzchen bietet, die sich auf der Liste von Bradley Hackford weit vorne liegen. Andorra platziert sich noch vor Monaco und Bulgarien. In dem Pyrenäenstaat der nicht ganz doppelt so groß wie Frankfurt ist, hat sich die Bevölkerungszahl seit 1970 nahezu vervierfacht. Davon sind 55 Prozent Ausländer, in erster Linie Franzosen und Spanier, es kommen aber auch immer mehr Russen und Asiaten dazu. Aber auch dort neigen sich die paradiesischen Zeiten dem Ende entgegen. Seit Beginn des Jahres gibt es eine Einkommenssteuer mit dem Spitzenplatz von 10 Prozent. Eine Kapitel- oder Erbschaftssteuer gibt es dort jedoch nicht. Aber Andorra ist angezählt, denn bis 2017, soll entsprechend der OECD-Konvention, der Informationsaustausch implementiert werden. Monaco hat seine besten Tage als Steueroase ebenfalls hinter sich, wenn der Informationsaustausch wie vorgesehen bis 2017 kommt. Ausländer, mit Ausnahme der Franzosen, mit bezahlen weiterhin keine Steuern. Personen die für ihren Lebensunterhalt nicht arbeiten müssen, bekommen eine Aufenthaltsbewilligung, wenn sie bei einer monegassischen Bank mindestens 500.000 Euro haben.

Bulgarien mit Spitzensteuersatz

Das neue Monaco ist das EU-Land Bulgarien, das wie Andorra mit einem Spitzensteuersatz von 10 Prozent sowie 5 Die Schweiz, ein wenig attraktives Steuerparadies 1Prozent für Dividenden lockt. Bulgarien kann sich das vor allen leisten, weil jeder Ausländer mindestens 511.000 Euro investieren muss. Genau wie die Bahamas hat auch Bulgarien die OECD-Konvention zum wechselseitigen Informationsaustausch bislang nicht unterschrieben. Bradley Hackford empfiehlt außerdem noch weitere Staaten, wie Panama, Dubai, Mauritius, die Cayman-Inseln, die Kanalinsel Guernsey sowie die Schweiz, die immer noch auf Platz 10 der Rangliste steht. Die OECD-Konvention wurde von der Schweiz, den Cayman-Inseln und der Kanalinsel Guernsey unterzeichnet.

Liberia – ein unruhiges Plätzchen

Das afrikanische Liberia zum Beispiel gilt auch als Steueroase, ist aber wie einige andere Steueroasen keinesfalls ein ruhiges Plätzchen. Wer sich haupts ächlich auf einem Schiff aufhält, muss in Liberia keine Steuern bezahlen. Für eine Wohnsitzverlegung ist das Land aber wegen der Ebola-Epidemie und der unruhigen politischen Situation weniger einladend. Bei Offshore-Gesellschaften gilt Belize, das ehemalige Britisch-Honduras, als ein Paradies. Wer so eine Gesellschaft in Belize gründet und damit Arbeitsplätze schafft muss 15 Jahre lang keine Abgaben bezahlen. Belize garantiert das Bankgeheimnis verfassungsmäßig und liefert nicht wegen Steuerdelikten aus. Vom internationalen Datenaustausch ist kaum etwas zu sehen. Wer sich in Belize dauerhaft niederlassen will muss mindesten 25.000 Dollar zur Verfügung haben und sich 12 Monate stetig in Belize aufhalten. Eine Ausnahme bilden Rentner ab 45 Jahren mit über 2000 Dollar aus einer Versicherung oder ausländischen Pensionsanlage. Für diesen Personenkreis sind sämtliche ausländischen Einkünfte steuerfrei.

Belize – ein gefährliches Steuerparadies

In den vergangenen Jahren ist die Kriminalität vor allem in Belize City stark angestiegen. Es ist also besser, wenn man nicht zu reich ist. Nach Einbruch der Dunkelheit ist besondere Vorsicht geboten, was laut dem Auswärtigen Amt auch in Touristenzentren ratsam ist. Es wird empfohlen keinen Schmuck zu tragen und Wertgegenstände im Hotelsafe aufzubewahren. Die Schweizer Bundesverwaltung warnt davor, Getränke von Unbekannten anzunehmen oder bei Fahrzeugpannen seine Hilfe anzubieten. Belize ist aber auch ein Hurrikangebiet und die zerstörerische Gewalt der Tropenstürme führte in den vergangenen 15 Jahren zu insgesamt drei Staatspleiten. Wer in Belize eine Firma gründen will muss aber nicht unbedingt auswandern. Die Gründung einer Firma kann via Internet erledigt oder von Anwaltskanzleien vermittelt. Das Offshore-Konto wird per Online-Banking geführt und eine Kreditkarte ist inklusive.

Bildquelle 1:© Paul-Georg Meister / pixelio.de
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