Das neue Anleiheprogramm der Europäischen Zentralbank

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Der richtige Weg?

Am 6.9. wurde die lang ersehnte Entscheidung der EZB getroffen, bezüglich der weiteren Verfahrensweise mit den Anleihekäufen. Nun ist eine nicht unumstrittene Wende in der Geldpolitik vollzogen: Unbegrenzte Anleihekäufe sollen verhindern, dass der Euro kollabiert.

Die Entscheidung der EZB und deren Verkündung zerrten an den Nerven der Beteiligten und all jener, die darauf warteten, was nun entschieden wurde. Als kurz vor der Verkündung ein Feueralarm im Euro-Tower losging, schien sich alles verschworen zu haben. Zum Glück war es aber nur ein Fehlalarm.
Die Sitzung, die über diese wichtige Frage des Euros entschied, war vielleicht die Wichtigste überhaupt im Laufe der Geschichte von der Europäischen Zentralbank, die 1998 begann.
Über kaum ein anderes finanzielles Debakel sind sich die Experten so uneins wie über diese Entscheidung. Denn während die einen davon ausgehen, dass damit die Lösung der Euro-Krise eingeläutet wird, sind die anderen der Meinung, dass es eine „Sünde“ in der Geschichte der gemeinsamen Währung ist.
Der Inhalt ist recht simpel: die EZB kauft künftig Staatsanleihen der Krisenländer auf, und darf dies in unbegrenzter Zahl. Das neue Programm wurde von den Stimmberechtigten in der Mehrheit für gut befunden und soll dazu führen, dass die betroffenen Länder weniger Zinslasten haben.

Die unendliche Möglichkeit der Finanzbeschaffung durch die Notenpresse sorgt dafür, dass sich manche Experten mit dieser Lösung nicht wohl fühlen. Der italienische Notenbankpräsident ist davon überzeugt, dass der Euro unumkehrbar ist. Die Kritiker bleiben aber verständlicherweise dabei, dass es ein riskanter Weg ist, den die EZB hier gehen will. Vor allem lautet einer der Vorwürfe, dass die Krisenländer viel zu sehr aus der Verantwortung entlassen werden. Auch eine drohende Inflation sei eine der Gefahren, so warnt man. Außerdem riskiere die EZB ihre Unabhängigkeit und betreibe eine Staatsfinanzierung, die ihr eigentlich verboten sei.
Darauf reagiert man in Kreisen der EZB mit Gegenargumenten, die beispielsweise darauf pochen, dass die Anleihekäufe an feste Bedingungen gebunden sind. Somit sind die Krisenländer zu eisernem Sparen gezwungen, wenn sie das Geschenk der EZB bekommen wollen.

Außerdem soll das Geld, was nun zu viel ausgegeben wird, an anderer Stelle wieder vom Markt genommen werden, um eine Inflation zu verhindern. Allerdings ist das angesichts der hohen nötigen Summen schwierig.
Auch sollen nur kurze Laufzeiten bestehen, von einem bis zu drei Jahren. Welche Argumente sich nun als realitätsnah herausstellen, wird die Zukunft bringen.

Bild-Nachweise: SarahC. pixelio.de

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